Vor 30 Jahren war der Wunsch in Schwabach eindeutig: eine Städtepartnerschaft mit einer französischen Stadt sollte eingegangen werden.
Vorgelebt hatten es seit den 1960er Jahren - noch sehr unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges - Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. Beiden war bewusst, dass das durch die politischen Ereignisse vorherrschende Misstrauen zwischen den beiden Völkern abgebaut und eine gegenseitige Annäherung erreicht werden müsste.
Ende der 1960er/Anfang 1970er Jahre kam es zu den ersten Begründungen von Städtepartnerschaften zwischen Frankreich und Deutschland. Somit hatten wir in Schwabach schon mehrere Vorbilder als Doris Michon mit dem Ansinnen einer Städtepartnerschaft an uns herantrat. Nach einigen Informationsreisen und gegenseitigen Besuchen stimmte der Schwabacher Stadtrat in einer Sondersitzung am 7. Februar 1975 einstimmig dafür.
Was aber bedeutet heute eine Städtepartnerschaft? Macht sie noch Sinn? Immer wieder kam auch die Frage auf: Ist die Partnerschaft beständig, ist sie noch lebendig? Was bleibt nach 30 Jahren vom anfänglichen Enthusiasmus über?
Diese Fragen kann man auch heute noch ohne Einschränkung positiv beantworten – man braucht sich dazu nur die Chronik anzusehen – ein teils sehr intensiver, teils in ruhigeren Bahnen verlaufender Austausch auf allen Gebieten – Sport, Kultur, Beruf ist darin dokumentiert. In beiden Städten konnten viele davon profitieren, viele haben sich wiederum enorm dafür engagiert – keinen einzelnen möchte ich an dieser Stelle herausgreifen.
Aus meiner Sicht sind Partnerschaften heute noch wichtiger als damals. Zumindest haben Sie einen anderen Hintergrund erhalten. War vor 30 Jahren die Völkerverständigung und -zusammenführung primärer Grund und Zweck, so ist es heute das zusammengewachsene und immer weiter zusammenwachsende Europa, das im Mittelpunkt steht - das Fallen der Grenzen, das Heranführen der Jugend, das gemeinsame Ziehen an einem Strang. Immer wichtiger ist im vereinten Europa die gegenseitige Wertschätzung der Länder, das Beherrschen anderer Sprachen und die Bereitschaft, sich auf Anderes, Verschiedenartiges einlassen zu können.
Und gerade hier bieten die Städtepartnerschaften Möglichkeiten, mit vergleichsweise geringem Aufwand eindrucksvolle und nachhaltige Erlebnisse zu vermitteln.
Ich wünsche der Städtepartnerschaft Les Sables – Schwabach aus großer Überzeugung ein langes Fortbestehen. Möge sie weiterhin dazu beitragen, das interkulturelle Verständnis zu verbessern.
Den Veranstaltungen und Feiern zum 30jährigen einen guten Verlauf und herzlichen Dank an dieser Stelle an alle, die das ermöglicht haben und künftig ermöglichen.
Hartwig Reimann
Oberbürgermeister