Blattgoldherstellung

Schon vor 5000 Jahren schlugen die Ägypter Gold so dünn, dass sie damit Götterfiguren, Sarkophage und Mumien vergolden konnten. In Europa ist die Herstellung des Blattgoldes seit der Antike (Römer) bekannt. Im Mittelalter wurde das Handwerk zunächst von Mönchen, dann von selbständigen Handwerkern ausgeübt. Neben Augsburg ist bald Nürnberg eine der wichtigsten Städte, in denen Blattgold geschlagen wird.






Eine der ältesten Abbildungen eines Goldschlägers stammt aus dem "Ständebuch". Es handelt sich dabei um eine Holzschnittserie von Jost Amman zu Texten von Hans Sachs von 1568.

Goldschläger in Schwabach

Aufgrund einer sehr restriktiven Handwerksordnung in Nürnberg wanderten die ersten Goldschläger im 16. Jahrhundert nach Schwabach ab. Hier fanden sie ideale Voraussetzungen für ihr Handwerk. Denn für die Herstellung von Blattgold wird ein relativ trockenes Klima benötigt, das in Schwabach durch seine Kessellage und seinen sandigen Untergrund gegeben ist.
Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte das Handwerk seine Blüte in Schwabach. In rund 130 Betrieben waren bis zu 1200 Personen beschäftigt.

Goldbeschneiderinnen 1920er   Goldbeschneiderinnen

In den 1920er Jahren waren sehr viele Frauen als Goldbeschneiderinnen in den Goldschlägerwerkstätten beschäftigt.

Die Situation heute

Heute existieren in Schwabach noch sechs Goldschlägerwerkstätten. Diese Dichte an Goldschlägerwerkstätten ist europaweit einzigartig. Während das Gold im Mittelalter aus Goldkronach bezogen wurde, wird es heute weltweit eingekauft.

Goldschlaegerfahne 218x110   Die Fahne der weltweit einzigen Goldschläger-Innung

Die Herstellung

Die einzelnen Arbeitsschritte der Herstellung sind über die Jahrhunderte nahezu identisch geblieben, nur der Einsatz von Maschinen kam in einigen Teilen hinzu. Zunächst wird das Gold mit Zusatzstoffen wie Platin, Silber und Kupfer, die für die unterschiedliche Farbe des Blattgoldes verantwortlich sind, geschmolzen. Das geschmolzene Gold wird in Barren (sog. "Zaine") gegossen und diese anschließend zu einem Goldband ausgewalzt. In kleine Quadrate (sog. "Quartiere") geschnitten wird das Band, das zu diesem Zeitpunkt noch die Mächtigkeit von Zeitungspapier hat, von Hand in eine so genannte Quetsche gelegt. 400 bis 500 kleine Quartiere liegen in der mit einem quadratischen Buch vergleichbaren Quetsche übereinander. In mehreren Arbeitsgängen wird das Gold nun geschlagen und immer wieder beschnitten, bis es abschließend ein Maß von 8 mal 8 cm und eine Mächtigkeit von durchschnittlich nur noch einem zehntausendstel Millimeter besitzt.

Goldschläger   Goldschläger bei der Arbeit

Verwendung

Die Verwendungszwecke des Blattgoldes sind vielseitig. Ein Großteil der Schwabacher Produktion wird weltweit exportiert. So ist die Luxusspielbank Taj Mahal des amerikanischen Milliardärs Donald Trump ebenso mit Schwabacher Blattgold vergoldet wie der Palast des Sultans von Brunei oder der Invalidendom in Paris.
Seit 2001 sind auch die Türme des Schwabacher Rathauses mit Schwabacher Blattgold belegt.
In Europa wird das Blattgold traditionell für die Vergoldung von Kirchen- und Kunstdenkmäler verwendet, heute vor allem für ihre Restaurierung. Des weiteren findet es in der Buchbinderei, bei der Porzellan- und Glasherstellung sowie im medizinischen Bereich Verwendung.

Goldene Dächer   Goldener Saal
Goldene Dächer am Rathaus Goldener Saal im Rathaus
 
Hochaltar Stadtkirche   Goldenes Ei
Hochaltar in der Stadtkirche Goldenes Riesenei
 

In Schwabach können Sie auch blattgoldverzierte Menüs und das bekannte Schwabacher Goldwasser genießen.