Stadtportal Schwabach

Szene aus „Die Hexe von Schwabach“ von Hans Kipfstuhl

Heute kurz nach Sonnenaufgang wurde die geständige und verurteilte Hexe Barbara Schwab ihrem Schicksal zugeführt. Schaulustige hatten sich schon in der Morgendämmerung vor der Stadt versammelt, um die besten Plätze zu ergattern. Schließlich handelte es sich um den ersten Hexenbrand im Markgraftum Ansbach. Auch viele Fremde waren angereist, darunter der prominente Sensationstourist Heinrich Deichsler aus Nürnberg, der über originelle öffentliche Ereignisse eine Art Chronik verfasst.

Nach Eintreffen der Richter und Schöffen wurde die Delinquentin, die deutlich die Spuren der Folter am Körper aufwies, auf dem Schinderkarren vorgefahren. Sofort widerrief sie ihr Geständnis - es sei nur den Folterqualen zuzurechnen. Der Richter lehnte jedoch eine Revision des Verfahrens aus formalen Gründen ab.

Während der aus Nürnberg herbeigeholte Henker Hans Rosenzweig (44)  die Festigkeit des Scheiterhaufens kontrollierte, hörte man aus der Menge anerkennende Bemerkungen über Schwabs schöne Brüste und ihren schlanken weißen Leib. Rosenzweig kettere die Hexe auf der Holzkonstruktion an und streute ihr Schießpulver auf Kopf und Brust. Dann entzündete er das Feuer. Die anwesenden Priester forderten Schwab auf, gemeinsam mit ihnen "Jesus Christus, Rex Judaeorum, erbarm dich meiner“ zu singen, was die Sterbende dann auch bis zum Ende tat. Sie starb demnach als reuige Christin. "Durch die reinigende Kraft des Feuers", merkt Kaplan Pürkel an, "ist es der Hexe möglich, nach Jahrmillionen im Fegefeuer doch noch in die ewige Seligkeit einzugehen. Insofern ist der Tod
durch die Flammen eine Gnade. So human geht das Christentum mit denen um, die seine Existenz bedrohen. Halleluja!“

Nach dem Brand blieben noch viele Schwabacher auf dem Richtplatz, um sich an den Bierbuden zu laben und von den eigens für den Tag kreierten "Hexentörtchen" des Pastenbäckers Ott zu kosten. Für Kinder gab es Hutzelbrot und Apfelmost. Allgemeine Erleichterung war überall spürbar. Chronist Deichsler zeigte sich beeindruckt von der reibungslosen Organisation des Spektakels und bemerkte am Ende gegenüber unserer Zeitung: "Dieser Ausflug hat sich wirklich gelohnt.“

 

Veranstaltungskalender

Angaben ohne Gewähr: Bitte fragen Sie im Zweifelsfall beim Veranstalter nach, ob die Veranstaltung stattfindet.

Fahrplanauskunft

RSS-Feed abonnieren

RSS-Feed abonnieren

Diese Webseite verwendet Cookies. Indem Sie unsere Website nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.