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Geänderte Öffnungszeiten am 17. Juni

Die Ämter der Stadtverwaltung, einschließlich Volkshochschule und Pflegestützpunkt, schließen am Mittwoch, 17. Juni, aufgrund einer betrieblichen Veranstaltung bereits um 12 Uhr.

Ausnahmen: Stadtbibliothek (10-13 & 16-18 Uhr), Stadtmuseum (10-18 Uhr) und das Entsorgungs-Zentrum Schwabach mit Recyclinghof (10-17 Uhr).
Das Bürgerbüro ist von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie Samstag von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

Zwischen Goldrausch und Algorithmen: Yana Rishes barocke Visionen des Faust II

Der Illusionist C Yana Rishe
In einer Zeit, in der Goethes Klassiker seinen Status als Pflichtlektüre für bayerische Abiturienten verliert, wagt die Münchener Künstlerin Yana Rishe mit ihrem Projekt „Der Illusionist“ eine furiose Gegenrede. 2024 zeigte sie ihr Werk zu Goethes Faust in der Städtischen Galerie Schwabach. Jetzt widmet sie sich dem Teil II der deutschen Tragödie Faust. Ihre aktuellen Arbeiten zu Goethes Faust II sind kein bloßes Zitieren der Klassik, sondern ein „barocker Traum der Gegenwart“, der die vielschichtige und oft sperrige zweite Hälfte des Goethe-Epos in unsere unmittelbare Realität überführt.

Rishes Malerei wirkt in der heutigen, oft auf Ironie und Distanz bedachten Kunstwelt wie ein opulenter Gegenentwurf. Ihre Bilder sind sinnlich, überladen und von einer melancholischen Tiefe durchzogen, die den Betrachter in Zwischenräume entführt, in denen Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Doch hinter der verführerischen Oberfläche aus warmen Farbtönen und sakral anmutendem Gold lauert stets die Irritation. Das Gold dient hier nicht der bloßen Dekoration; es ist ein Symbol für die Ambivalenz zwischen menschlicher Verletzlichkeit und dem Streben nach Transzendenz.

In ihrer neuen Ausstellung fokussiert sich Rishe auf fünf zentrale Themen des Faust II, die unsere moderne Gesellschaft spiegeln:

  • Künstliche Existenzen: Der Homunkulus, Goethes künstliches Menschlein, wird bei Rishe zum Sinnbild für die Künstliche Intelligenz. Drei holografische Kinder steigen aus einer schwarzen, spiegelnden Fläche empor. Sie scheinen zu atmen und uns zu beobachten – Wesen zwischen Geburt und Reife, entstanden aus dem digitalen Ozean unserer Zeit.
  • Der Mythos der Schönheit: Helena aus Goethes „Faust“ wird zur Symbolfigur weiblichen Schicksals. In Gemälden und einer holografischen Installation verbindet Rishe ihre Geschichte mit der Figur Evas und hinterfragt Schönheit als gesellschaftliches Ideal. Die Arbeiten erzählen von Erkenntnis, Verlust und dem widersprüchlichen Weg einer Frau zwischen Bewunderung und Selbstbestimmung.
  • Gier und Raubbau: Ausgehend von der Figur des Mephistopheles untersucht Rishe die Mechanismen von Manipulation und Verführung. Malerei und Film zeigen, wie leicht Menschen Ideologien folgen und wie aus geistiger Unreife, Angst und Gruppendynamik Konflikte entstehen können.
  • Die Illusion des Wertes: Spiegelnde Figuren bevölkern Rishés großformatige Gemälde und verweisen auf eine Gesellschaft, die sich ständig selbst reflektiert und vervielfältigt. Eine Kaleidoskop-Installation verwandelt eine einzelne Münze in scheinbar unendlichen Reichtum. Die Arbeiten hinterfragen die Entstehung von Wert und die Macht kollektiver Illusionen.
  • Erlösung und Verdammnis: Ein mit Schauspielern realisierter Kurzfilm greift den Streit zwischen Gott und Mephistopheles um die menschliche Seele auf. Ohne religiöse Antworten zu geben, lädt die Arbeit zu einer philosophischen Auseinandersetzung mit Schuld, Freiheit und den Entscheidungen ein, die unser Leben bestimmen.

Rishes Werk bietet keine einfachen Antworten, sondern erzeugt Zustände. Ihre Figuren wirken wie „Reisende zwischen den Zeiten“, entrückt und doch erschreckend gegenwärtig. In einer Welt, die nach Eindeutigkeit verlangt, erlaubt uns diese Kunst das „Schweben im Ungewissen“. „Der Illusionist“ ist somit mehr als eine Ausstellung; es ist eine Einladung, den „wahren Wert des Lebens“ in einer Welt voller technischer und materieller Illusionen neu zu verhandeln. Goethes Mahnung „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“ wird bei Yana Rishe zur dringlichen Aufforderung an uns alle, die Gegenwart durch die Linse der Vergangenheit neu zu begreifen

Veranstaltungsdaten

Beginn: 29. Juli bis 20. September

Urheber

Urheberinformationen:

Foto: Yana Rishe